Wie lassen sich regionale Reststoffe sinnvoll und wirtschaftlich verwerten? Mit dieser Frage haben sich Studierende in einem Semesterprojekt intensiv beschäftigt – mit einem konkreten Praxisbeispiel aus dem Kreis Heinsberg: Für das Projekt wurden Reststoffe von Zipfelmilch aus Waldfeucht genutzt, um daraus den Wertstoff Casein zu gewinnen.
Im Zentrum des Projekts stand die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit nachhaltiger Ressourcennutzung. Aufgabe der Studierenden war es zunächst, im Labormaßstab die Extraktion des Wertstoffs Casein aus dem Reststoff Spülmilch zu untersuchen. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse übertrugen sie das Verfahren anschließend auf einen industriellen Maßstab. Dabei entstanden nicht nur Überlegungen zur technischen Umsetzung, sondern auch zu Kostenkalkulation, Firmenstruktur und Fabrikaufbau.
Das im Planspiel entwickelte Unternehmenskonzept trägt den Namen LactoRenew GmbH. Vorgesehen ist ein B2B-Geschäftsmodell zur Herstellung von technischem Casein, das beispielsweise für die Produktion von Klebstoffen genutzt werden kann. Als Rohstoffbasis dienen monatlich rund 135.000 Liter Spülmilch aus regionalen Betrieben, aus denen etwa 5.000 Kilogramm technisches Casein pro Monat gewonnen werden könnten. Für die Umsetzung kalkulierte das Team mit einem Startkapital von 5,8 Millionen Euro. Der erwartete ROI liegt bei 17 Prozent, die Amortisationszeit bei unter sechs Jahren.
Neben den technischen Fragestellungen setzte sich das Projekt auch mit wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen einer biobasierten Fabrik auseinander. Die Studierenden führten Gespräche mit lokalen Milchbetrieben, entwickelten Lieferketten und verhandelten im Rahmen des Planspiels Verträge. So entstand ein praxisnahes Bild davon, welche Chancen und Hürden mit der industriellen Nutzung biobasierter Reststoffe verbunden sind.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie aus einem bislang wenig genutzten Nebenstrom ein hochwertiger Rohstoff werden kann – und wie Hochschullehre dazu beiträgt, nachhaltige Innovationen mit regionalem Bezug greifbar zu machen. Ein besonderer Dank gilt dem Betrieb Zipfelmilch für die Bereitstellung von Reststoffen im Projekt „CoMpoNent“.
Foto ©HSRW: v.l.n.r: S. Y. Fatou, A. Basena, F. Adong
