Wie können aus Reststoffen der Land- und Ernährungswirtschaft neue Materialien, Produkte und Wertschöpfungsketten in den Bereichen Agrar, Textil und Lebensmittel entstehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Auftritts des Innovationsbündnisses INGRAIN bei der ersten Klimaschutzmesse „Klima Zukunft HS 2026“ in der Festhalle Oberbruch. Auf Einladung von Heinsberg Smart City präsentierte INGRAIN gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft anschaulich, wie biobasierte Circular Economy in der Praxis aussehen kann.
Am Stand informierten Vertreterinnen und Vertreter der RWTH Aachen, der Hochschule Niederrhein und der WFG für den Kreis Heinsberg über die Arbeit des Bündnisses. Unter dem Motto „Produkte aus Reststoffen? Wir arbeiten dran!“ wurde deutlich: Reststoffe sind nicht zwangsläufig Abfälle. Sie können Ausgangspunkt für neue Wertstoffe, nachhaltige Produkte und zukunftsfähige Anwendungen sein.
INGRAIN steht für den Ansatz, Rest- und Nebenströme aus der Agrar-, Textil- und Lebensmittelwirtschaft als Ressource zu betrachten. Ziel des Innovationsbündnisses ist es, aus bislang wenig genutzten Stoffströmen neue biobasierte Produkte, Materialien und Nutzungskonzepte zu entwickeln. Damit leistet INGRAIN einen Beitrag zu nachhaltiger Ressourcennutzung, regionaler Wertschöpfung und einer Kreislaufwirtschaft, die biologische Rohstoffe intelligent einbindet.
Der Leitgedanke des Bündnisses lautet: von Reststoff zu Wertstoff zu Nährstoff. Dahinter steht die Idee, Materialien nicht linear zu denken, sondern in Kreisläufen. Was in einem Produktionsprozess als Nebenprodukt anfällt, kann in einem anderen Prozess zum Rohstoff werden. Und was nach der Nutzung biologisch abbaubar ist, kann im Idealfall wieder in natürliche Kreisläufe zurückgeführt werden.
Gerade in einer landwirtschaftlich geprägten Region wie dem Kreis Heinsberg bietet dieser Ansatz großes Potenzial. Agrarische Reststoffe, Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung und biobasierte Materialien können neue Perspektiven für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und regionale Wertschöpfungsketten eröffnen. INGRAIN bringt dafür Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und regionaler Entwicklung zusammen.
Auf der Klimaschutzmesse zeigte INGRAIN anhand konkreter Beispiele, wie vielfältig die Nutzung von Reststoffen sein kann. Die Besucherinnen und Besucher konnten biobasierte Produkte kennenlernen, bei denen Reststoffe bereits eine wichtige Rolle spielen.
Zu den vorgestellten Beispielen gehörten unter anderem Kugelschreiber mit Weizenstrohanteil. Weizenstroh fällt bei der Getreideernte als Reststoff an und kann aufgrund seines Faser- und Zelluloseanteils für biobasierte Materialien genutzt werden. Ebenfalls gezeigt wurde Samenpapier mit Tomatenpflanzenfaseranteil. Die Tomatenpflanzen werden dafür nicht eigens angebaut, sondern fallen nach der Ernte als Reststoff im Tomatenanbau an und können in der Papierherstellung weiterverarbeitet werden.
Ein weiteres Beispiel waren Bagasse-Sticker aus landwirtschaftlichen Reststoffen. Bagasse entsteht als Nebenprodukt bei der Verarbeitung von Zuckerrohr und kann als biobasierter Rohstoff für Papier- und Aufkleberanwendungen genutzt werden. Auch kompostierbare Netze für Obst und Gemüse der Firma TVU wurden präsentiert. Sie bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und zeigen, wie Verpackungslösungen ressourcenschonender gedacht werden können.
Besonderes Interesse weckten außerdem die Pflanztöpfe aus Reststoffen der Firma Avema. Diese zersetzen sich nach dem Einpflanzen in der Erde und können die Pflanze beim Abbau mit Nährstoffen versorgen. Damit verbinden sie gleich mehrere Aspekte des INGRAIN-Ansatzes: Reststoffnutzung, biobasierte Produktentwicklung und Rückführung in natürliche Kreisläufe.
Neben einzelnen Produktbeispielen standen auf der Messe auch Demonstratoren im Mittelpunkt. Sie zeigten beispielhaft, wie eine Prozesskette vom Agrarreststoff bis zur biobasierten Gemüseverpackung aussehen kann. Gerade solche Demonstratoren sind für INGRAIN besonders wichtig, weil sie den Weg von der Idee zur Anwendung sichtbar machen.
Der Ansatz geht über die reine Präsentation einzelner Produkte hinaus. INGRAIN betrachtet ganze Wertschöpfungsketten: Welche Reststoffe fallen regional an? Welche Eigenschaften haben diese Materialien? Wie können sie verarbeitet werden? Welche Anwendungen sind technisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll? Und welche Partner müssen zusammenkommen, damit aus einer Idee ein marktfähiger oder anwendungsnaher Demonstrator wird?
Diese Fragen sind zentral für die Arbeit des Bündnisses. Denn biobasierte Innovationen entstehen dort, wo Forschung, Praxis und regionale Bedarfe zusammengeführt werden. Auf der Klimaschutzmesse wurde genau das greifbar: Wissenschaftliche Expertise, regionale Wirtschaftsförderung und konkrete Produktideen kamen an einem Stand zusammen.
Auch die Hochschule Niederrhein brachte ein anschauliches Beispiel mit auf die Messe. Präsentiert wurden Pilze, die auf einem Nährboden aus Kartoffelschalen gezogen wurden. Dieses Beispiel zeigte besonders eindrucksvoll, wie Lebensmittelreststoffe in biologische Prozesse eingebunden werden können.
Besonders gut angenommen wurde auch das gemeinsame Quiz, das INGRAIN zusammen mit der Regionalmarke Heinsberger Land durchführte. Während INGRAIN den Fokus auf Reststoffnutzung, biobasierte Materialien und Kreislaufwirtschaft legte, ergänzte das Heinsberger Land den Messeauftritt durch den Bezug zu regionalen Produkten und regionaler Wertschöpfung. So wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit viele Ebenen hat: vom bewussten Konsum regionaler Lebensmittel bis zur Entwicklung neuer biobasierter Produkte aus Reststoffen.
Als Gewinn erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer biologisch abbaubare AVEMA-Pflanztöpfe, bepflanzt von den Wildblumentöchtern Forscheln aus Heinsberg mit regionalen Wildstauden aus nachhaltiger Produktion. Die Pflanztöpfe bestehen aus Reststoffen, zersetzen sich in der Erde und versorgen die Pflanze während des Abbaus mit Nährstoffen. Ergänzt wurden sie durch INGRAIN-Sticker aus Bagassepapier, die ebenfalls biologisch abbaubar sind. Damit wurde der Kreislaufgedanke des Bündnisses auch im Gewinn praktisch erlebbar.
INGRAIN bedankt sich herzlich bei Heinsberg Smart City für die Einladung zur ersten Klimaschutzmesse „Klima Zukunft HS 2026“ und die Möglichkeit, biobasierte Innovationen einem breiten Publikum vorzustellen.
Der große Zuspruch am Stand, die vielen Fragen und Gespräche sowie das Interesse an den vorgestellten Produkten und Demonstratoren haben gezeigt: Die Themen Reststoffnutzung, Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft bewegen die Menschen in der Region.








